1. Türchen


Hallöchen und herzlich WILLKOMMEN am 1. Dezember.
Heute öffnet sich das 1. Türchen meines Adventskalender-Gewinnspiels.

Und gehen wird es heute um das Märchen Schneewittchen, das in meinem Buch "Zwischen Schnee und Ebenholz" eine ganz elementare Position einnimmt.


Es war einmal ...
im Winter, da saß eine Königin am Fenster und nähte. Als sie in den Schnee blickte, stach sie sich in den Finger, und drei Tropfen ihres Blutes fielen in den Schnee. Da dachte sie bei sich: „Hätt‘ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!“ Bald darauf gebar sie ein eben solches Kind, doch die Königin starb bei der Geburt. Das Kind aber ward Schneewittchen genannt. Nach einem Jahr nahm sich der König eine neue Gemahlin, die sehr schön war. Aber sie war eitel und stolz und besaß einen magischen Spiegel, in den sie oft blickte und dabei sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, 
wer ist die Schönste im ganzen Land?“
und der Spiegel antwortete ihr:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land“
Doch als Schneewittchen 7 Jahre alt war, und die Königin wieder einmal ihren Spiegel befragte antwortete dieser:
„Frau Königin, ihr seid die Schönste hier, 
Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“

Die Königin wurde grün vor Neid und ließ sogleich einen Jäger rufen und befahl ihm „Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will’s nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ Der Jäger gehorchte und brachte Schneewittchen in den Wald. Doch als er das töten wollte sprach Schneewittchen: „Ach, lieber Jäger, lass mir mein Leben! Ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heimkommen.“ Und der Jäger hatte Mitleid mit dem schönen Kind und ließ es laufen und dachte bei sich, dass sie im Wald ohnehin den Tod finden würde. Statt ihrer tötete er einen Frischling und brachte der Königin Lunge und Leber. Die Königin ließ sie kochen und aß sie auf, vergnügt, dass sie erneut die Schönste war.
Schneewittchen aber irrte durch den dunklen Wald, bis sie an ein kleines Häuschen kam. Sie ging hinein und fand einen gedeckten Tisch mit sieben Becherlein und sieben Tellerlein. Von jedem nahem sie nur ein wenig und legte sich dann in jedes der sieben Bettchen, bis das letzte ihr zum Ruhen recht erschien.

Als nun die sieben Zwerge, die Bewohner des Häuschens, nach Hause kamen, wunderten sie sich gar sehr. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ fragte der eine. „Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“ fragte der nächste. Als der siebte aber Schneewittchen in seinem Bett entdeckte, kamen alle gelaufen und staunten über das schöne Kind.
Als Schneewittchen am Morgen erwachte, erzählte sie den Zwergen, was ihr geschehen war und die Zwerge sprachen: „Willst du unseren Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen. Und so zog Schneewittchen bei den Zwergen ein. 
Als nun die Königin erneut ihren Spiegel befragte antwortete dieser:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen über den Bergen,
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als ihr.“
Da erschrak die neidische Frau und ersann sobald einen Plan.
Als die Zwerge des Morgens in die Mienen aufbrachen, um zu arbeiten, warnten sie Schneewittchen, niemandem die Tür zu öffnen, denn sie ahnten, dass ihre Stiefmutter nicht aufgeben würde. Als nun aber eine alte Frau daher kam, und ihre Ware feil bot, dachte Schneewittchen nichts Böses und ließ die Frau herein. Diese hatte schöne Schnürriemen zu bieten und Schneewittchen ließ sich von ihr Schnüren. Da verging ihr der Atem und sie fiel wie tot zu Boden. Die Alte aber, die die verkleidete Königin war sprach: „Nun bist du die schönste gewesen.“
Als die Zwerge heimkamen erschraken sie sehr, doch als sie den Schnürriemen erblickten, schnitten sie ihn sogleich auf und Schneewittchen fing wieder an zu atmen und war wieder lebendig. Und die Zwerge sprachen zu ihr: „Die alte Krämersfrau war niemand als die gottlose Königin. Hüte dich und lass keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“
Zurück im Schloss befragte die Königin sogleich ihren Spiegel, der sprach:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen über den Bergen,
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als ihr.“

Da erschrak die Königin und fertigte mit ihren Hexenkünsten einen vergifteten Kamm. Erneut verkleidete sie sich als Krämerweib und machte sie auf zu der Hütte der Zwerge. Zunächst wies Schneewittchen sie ab, denn sie gedachte der Warnung der Zwerge. Doch als sie den vergifteten Kamm sah, gefiel ihr dieser so gut, dass sie die Frau hinein ließ. „Ich will dich einmal ordentlich kämmen.“ sprach diese und wie sie Schneewittchen den Kamm in die Haare steckte, fiel diese wie tot nieder. Doch auch diesmal kamen bald darauf die Zwerge heim, fanden den Kamm, zogen ihn heraus und Schneewittchen erwachte. Erneut sprachen sie ihre Warnung aus.
Die Königin aber befragte erneut ihren Spiegel bebte vor Zorn, als dieser erneut antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen über den Bergen,
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als ihr.“

Da nahm die Königin einen wunderschönen Apfel mit roten Backen und vergiftete ihn. Dann verkleidete sie sich als Bauersfrau und brach erneut zu der Hütte auf, um Schneewittchen endgültig töten. Als Schneewittchen sie nicht hereinlassen will, sprach die verkleidete Königin: „Mir auch recht, meine Äpfel will ich schon loswerden. Da, einen will ich dir schneken.“ „Nein, ich darf nichts annehmen“ sprach da Schneewittchen. Doch die gerissene Königin antwortete: „Fürchtest du dich vor Gift? Siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Teile; den roten Backen iss, den weißen will ich essen.“ Und sie biss in ihre Hälfte des Apfels. Da war Schneewittchen beruhigt, nahm den roten Backen, und biss hinein. Doch die Königin hatte nur den roten Backen vergiftet, und wie Schneewittchen den ersten Bissen getan hatte, fiel sie erneut tot zu Boden.
Als die Zwerge dieses Mal nach Hause kamen, konnten sie nicht finden, was Schneewittchen getötet hatte und so blieb sie tot. Die Zwerge trauerten um sie und da sie es nicht übers Herz brachten, Schneewittchen in der kalten Erde zu begraben, ließen sie einen gläsernen Sarg fertigen, brachten ihn auf einen Berg und legten Schneewittchen hinein. Einer der ihren bewachte immer den Sarg, und auch die Tiere kamen, um Schneewittchen zu beweinen. Es geschah jedoch, dass ein junger Königssohn in den Wald kam, und wie er das Schneewittchen in dem Sarg liegen sah sprach er zu den Zwergen: „Lasst mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt“ und die Zwerge antworteten: „Wir geben ihn nicht für alles Gold in der Welt“. Doch der Prinz sprach „So schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben, ohne Schneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.“ Da empfanden die Zwerge Mitleid, und schenkten ihm den Sarg. Als seine Diener ihn nun auf ihren Schultern davon trugen, stolperte einer und die Erschütterung ließ den vergifteten Apfel aus Schneewittchens Hals fallen und sie ward wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“ fragte es, und der Königssohn antwortete „Du bist bei mir.“ Und er erzählte ihr, was sich zugetragen hatte. „Ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloss, du sollst meine Gemahlin werden.“ Und er nahm Schneewittchen mit auf sein Schloss und eine große Hochzeit wurde vorbereitet, zu der auch die böse Königin eingeladen wurde. Bevor sie zu der Hochzeit fuhr, fragte sie ihren Spiegel:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, 
wer ist die Schönste im ganzen Land?“
und der Spiegel antwortete ihr:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber die junge Königin ist noch tausendmal schöner als Ihr.“

Da fluchte die Königin und ich wurde Angst und Bange. Doch sie konnte nicht widerstehen und wollte die junge Königin mit eigenen Augen sehen. Und wie sie eintrat und Schneewittchen erkannte, erschrak sie, und erstarrte. Man hatte sie bereits erwartet und ließ eiserne Pantoffel bringen, die über dem Feuer erhitzt worden waren, bis sie rot glühten. Und sie wurde hinein gestellt und musste Tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.

Quelle: Heinz Rölleke (Hrsg.): Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm. Vollständige Ausgabe auf der Grundlage der dritten Auflage (1837), Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag (2007)


Gefällt euch das Märchen genauso gut wie mir? 
Oder habt ihr ein anderes Lieblingsmärchen?

Lg
Ann-Kathrin

Kommentare:

  1. Mein Lieblings Märchen heißt die Schöne und das Biest

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    1. Oh ja, das Märchen mag ich auch sehr!

      Lg
      Ann-Kathrin

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  2. Ach ja, Schneewittchen ist einfach immer wieder schön^^ Ich glaube, ich könnte mich auf Anhieb gar nicht für ein Lieblingsmärchen entscheiden. Ich mag nämlich viele Märchen sehr gern, und viele kenne ich auch noch gar nicht. Wird wohl mal Zeit, dass ich mir eine Märchensammlung besorge, die fehlt momentan nämlich noch im Regal.
    Als Kind mochte ich immer "Der Froschkönig" sehr gerne, dazu hatte ich eine ganz tolle Hörspielkassette :-D
    Aus irgendeinem Grund hasst mich dein GFC immer noch.
    Knutscha

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    1. Naaaaaa :)
      Eigentlich kann ich mich auch gar nicht richtig für ein Lieblingsmärchen entscheiden. Dafür gibt es einfach zu viele schöne Märchen! "Der Froschkönig" gehörte irgendwie aber nie dazu ... :D

      *knutscha*

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  3. Ich bin ebenfalls Fan von jeder Form von "Die Schöne und das Biest" :) Schneewittchen ist nicht ganz so mein Märchen, aber natürlich immer noch toll. *Märchen-Fangirl*

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    1. Hey :)
      "Die Schöne und das Biest" finde ich auch sehr schön und es gehört auch mit zu meinen Liebsten!

      Yeah! Noch ein Märchen-Fangirl! :D

      Lg
      Ann-Kathrin

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  4. Ich liebe alte Märchen, besonders in der Weihnachtszeit nutze ich die Wochenenden um den Kinder Märchen vorzulesen

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    1. Hach, wie schön dass du vor allem die Weihnachtszeit dafür nutzt, um Märchen vorzulesen! Ich liebe es auch :)

      Lg
      Ann-Kathrin

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